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Der Alte Elbtunnel
... und die Instandsetzung






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Der Sankt Pauli Elbtunnel

Der St. Pauli Elbtunnel verbindet den Hamburger Stadtteil St. Pauli mit den Werften auf der Elbinsel Steinwerder. Als technische Sensation mit einer Länge von 426,5 Metern wurde er 1911 eröffnet und wird seitdem vielfältig von Fußgängern, Rad- und Autofahrern genutzt. Nicht nur die Bauweise, bei der mittels Überdruck ein Eindringen des Wassers während der Bauphase verhindert wurde und der gesamte Tunnel aus heiß genieteten Tübbings in Ringen entstand, war eine Sensation, sondern auch seine keramischen Wandgestaltungen. Sie zeigen die Besonderheit dieser Architektur. Beide Tunnelröhren und die Einfahrtschächte wurden mit Feinsteinzeug gefliest und mit vielerlei keramischen Reliefs geschmückt.

Der Alte Elbtunnel ist mit seinen 426 Metern sogar 100 Meter länger wie der Eiffelturm von Paris an Höhe hat. Stellen Sie sich vor, der Elbtunnel würde stehen - welch eine Attraktion für Hamburg ...

Der Charme, der von der Wandverkleidung ausgeht und viele Besucher tagtäglich wundern lässt, begründet sich auf die künstlerische Arbeit des Bildhauers Otto Gottlieb Hermann Perl ebenso wie auf deren handwerklichen Fertigung. Gerade das leicht Unregelmäßige besticht außerordentlich. Kaum wahrnehmbare hand-werkliche Spuren auf den Keramiken, die jedoch nach genauem, fachlichen Hinschauen nicht zu übersehen sind; leichte, durch die Herstellung bedingte, Farbnuancen, die nicht völlig plan verlegten Fliesen - um 1900 wurde alles im Mörtelbett verlegt -, die leicht divergierenden Reliefs, und vieles mehr ergeben ein charmantes, äußerst liebens-würdiges Erscheinungsbild, welches heute noch seines Gleichen sucht. Mit bestechender Genauigkeit und Materialliebe, mit großer handwerklicher Genauigkeit und immenser Verantwortung in den Händen der einzelnen Gewerke und Handwerker entstand dieses Kleinod, was Hamburg berühmt macht, und die Hamburger jedem ihrer Besucher mit Freude zeigen. Wir haben hier also ein repräsentatives technisches und gestalterisches Denkmal, das unter allen Umständen zu achten, zu pflegen und zu restaurieren ist.

Und weiterhin ist zu beachten und nicht aus den Augen zu verlieren: Der St. Pauli Elbtunnel ist ein technisches, im laufenden Betrieb befindliches Denkmal. Dieses ist dem Wandel und dem Verschleiß unterworfen und bedarf so einer dauernden Pflege und - wenn man so will - Restaurierung, durchaus im Sinne des katalanischen Architekten Antonio Gaudi - man denke an die Sagrada Familia.

Keramisch-industrielle Verfahren um 1900 unterschieden sich von den heutigen stark. Werden heute Fliesen in industriell perfekt automatisierten Verfahren hergestellt, erlebten um die Jahrhundertwende 1900 die keramischen Arbeiten in Manufakturen in unzähligen Arbeitsprozessen die Hände der Arbeiter. Formen wurden per Hand ausgeformt, Fliesen noch in Muffel- oder Herdwagenöfen von Hand eingesetzt, mit teils erheblichen Temperaturunterschieden in einem Brand; glasiert wurde schon halbautomatisch, doch die Glasurrohstoffe waren längst nicht so homogenisiert und synthetisch wie heute. Das Handwerk hinterließ seine natürlichen Spuren. Durch die große Verantwortung, die den einzelnen Produktionsprozessen gegeben wurde, den Tonlieferanten, Formern und Ofensetzer, Glasurentwicklern ebenso wie den Architekten, Polieren und Künstlern entstand ein Gesamtkunstwerk in künstlerischer und technischer Bravour - heute finden wir dies äußerst selten!

Bei der Restaurierung stehen wir also von vornherein vor einer gewissen Problematik. Mit heutigen Produktionsbedingungen und -mitteln keramische Scherben und Oberflächen technisch und gestalterisch zu reproduzieren, den Charme des 100-jährigen Elbtunnels wieder auferstehen zu lassen. Bei vergangenen Restaurierungen wurden durchaus mit gutem Willen und den jeweiligen technischen Erfordernissen gar so viele „Fehler“ gemacht, heute sind diese noch sichtbar. Beispielsweise wurden um 1900 die Fliesen in Tunnelöfen über einen Zeitraum von 12 oder mehr Stunden dem Feuer ausgesetzt - heute beträgt die gesamte Produktionssauer weniger als ein oder zwei Stunden. Durch diese technischen und handwerklichen Prozesse und deren Unterschiede zur heutigen seriellen, weitgehend automatisierten Produktion finden wir damals eine gewisse Lebhaftigkeit in Form, Glanz und Farbe - eine große Aufgabe bei der Restaurierung.

Während der Restaurierung werden selbstverständlich alle Arbeiten - Herstellungsverfahren, technische Voraussetzungen, Gestaltung und Verlegung der Fliesen und Reliefs in allen Details und Abschnitten von der HPA überwacht und geprüft.

Abschließend will und muß ich sagen: Wir, Architekten, Poliere, Handwerker, Hersteller und alle Nichtgenannten stehen gemeinsam vor der großen Herausforderung, ein einmaliges, technisches und gestalterisches Denkmal mit neuer Technologie und Methodik erhaltend und nachhaltig instand zu setzen, zu restaurieren und zu pflegen, ja ihm Leben einzuhauchen.

Nachfolgende Generationen lernen hier etwas vom Entstehen eines Gesamtkunstwerkes, das mit großem Mut und großer Sorgfalt geplant, gestaltet und gebaut wurde und bis heute beispielhaft ist.



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